Donnerstag, den 13. September 2012 um 15:50 Uhr

Stævnsmeden på færde  - Bootsbau auf Wanderschaft

Entwurf

Darstellung eines historischen Handwerks an wechselnden Orten

Inhaltsübersicht

Das Vorhaben

Schlüsselwörter

Der Bootsbauplatz

Projekt

Boot
Abmessungen
gewünschte Eigenschaften
Entscheidung (Sognfaering contra Gokstadfaering)

Bauplatz

Arbeitsweise

Baumaterial

Baufortschritt

Werkzeuge

Vermessen

Kontaktaufnahme


Das Vorhaben

Ein Bootsbauplatz kann eigentlich nicht wandern.
BauplatzEinmal eingerichtet kann man ihn nicht wieder auseinander nehmen, ohne dass das Boot seine Form verliert. Der Bau eines Bootes eignet sich scheinbar nicht für eine Darstellung an wechselnden Orten.

Aber genau Das möchte ich im kommenden Jahr 2013 verwirklichen, indem ich den Bauplatz auf Räder stelle. Das Hellinggerüst wird auf einem Trailer befestigt und folgt mir durch die Lande. . .

–  wohin Ihr wollt.

Diese Aktion richtet sich an ein Publikum, das mehr als Unterhaltung sucht, Interesse an Handwerklich-Historischem hat, gern hinter die Kulissen blickt und Fragen stellt.

Das Publikum sieht ein Boot entstehen – mal das Strecken des Kiels und das Aufrichten eines Stevens, mal das Heraushauen spezieller Plankenteile mit dem Beil, oder das Einpassen naturgewachsener Hölzer zum Stützen der Plankenhülle.

Aber. . .
Ich möchte mehr demonstrieren, als nur das Zusammenfügen von Planken.
Ein Boot ist nicht nur ein Stück schwimmendes Holz. Es hat eine Form, der bestimmte Eigenschaften inne wohnen. Es hat ein „Wesen“.
Ich zeige, wie man des individuelle Wesen sehen und ermessen kann, wie man mit dem Körper misst und mit dem Auge zusammen fügt, denn nicht nur für die See ist ein Boot gemacht, sondern auch für den Seemann. Seine Proportionen müssen sich im Rumpf wieder finden.
SpänekunstBoot, Mensch und Meer sind drei zusammenhängende Elemente meiner Darstellung.

Darüber hinaus üben der Umgang mit außergewöhnlichen Werkzeugen, das Hantieren mit geschwungenen Hölzern, der Geruch nach Baum und Teer eine ganz eigene Faszination aus, die einer passenden Veranstaltung einen maritimen Klang verleiht.

Eine historische Darstellung von der Wikingerzeit bis ins 19. Jahrhundert ist möglich. Dem entsprechend habe ich mein Projekt ausgewählt.

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S c h l ü s s e l w ö r t e r:

Wer sich fragt - Passt das überhaupt zu unserer Veranstaltung? Diese Schlüsselwörter beschreiben den charakterlichen Kern der Aktion:

BootsbauWikingermittelalterlichhandwerklich historisch maritim

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Der Bootsbauplatz

Projekt

B o o t:

Das Boot, das ich im Blick habe, hat tatsächlich existiert, aber ich fertige diesmal keinen originalgetreuen Nachbau. Vielmehr verändere ich seine Form und passe sie an die hier zu erwartenden Verhältnisse an. Der Grundcharakter soll dabei erhalten bleiben. Der Rumpf wirkt leicht, lang und schlank, die Linien sind elegant an die Steven geführt. Das Boot ist leicht zu rudern und dabei sehr schnell.
Das Original stammt aus dem Sognefjord in Norwegen. Es wurde dort um 1860 gebaut und repräsentiert sehr gut die alte, leichte Form der west-norwegischen Boote. Solche Boote wurden während des Sommers für Kleinfischerei im geschützten Fjord, oder nahe der Küste und auch sonst für alle möglichen Transporte genutzt. Sie sind in erster Linie Ruderboote. Segel setzte man nur auf längeren Fahrten, z. B. von und zum Fangplatz, wenn bei mehr Wind das Rudern unmöglich war oder der Wind einfach günstig einkam, so dass man Zeit und Kraft sparen konnte.

 

A b m e s s u n g e n:

Länge: 5,60 m
Breite: 1,40 m
Seitenbordhöhe: 46 cm + 8 cm Kiel
Tiefgang (leer): 18 cm
Tiefgang (abgeladen): 32 cm
Gewicht (leer): ca. 120 kg
Takelung: Rahsegel

Segelfläche:

7,2 m2
Anzahl Ruder: 4 (2 Paar Skulls)
Besatzung: 1-3 Leute
Tragfähigkeit: 320 kg

 

gewünschte E i g e n s c h a f t e n:

beim Rudern:

  • leicht zu rudern
  • wenig windanfällig
  • kursstabil
  • sinnvolle Mannschafts- und Raumaufteilung

beim RudernDer Sognefaering soll leicht zu rudern und dabei wenig windanfällig sein. Das Rudern soll auch für Kinder (zu Viert mit je einem Ruder) oder Jugendliche ohne übermäßige Anstrengung möglich sein und Boot und Mannschaft zügig voran bringen.
Für einen festen Steuermann bekommt der Rumpf achtern ein wenig mehr Tragfähigkeit. In unseren belebten Fahrwassern ist ein Steuermann für die Sicht voraus und das Steuern von Ausweichmanövern wichtig. Die Ruderer sitzen mit dem Rücken in Fahrtrichtung und können nur achteraus schauen. Steuerer und Ruderer haben so die volle Rundumsicht.
Trotz der Steuerung soll das Boot einen stabilen Geradeauslauf (Kursstabilität) bekommen.

beim Segeln:

  • optimales Zusammenspiel von Rumpf, Segel und Steuer (gute Segeleigenschaften)
  • gegen den Wind aufkreuzen
  • wendig
  • wenig Abdrift
  • guter Lauf auf jedem Kurs
  • Stabilität
  • trocken zu segeln

beim SegelnSegeln ist eine prestigeträchtige Sportart unserer Küstenregionen. Niemand will ein Boot mit Segel, dem kein "Segel-Herz" im Rumpf sitzt.
Gute Segeleigenschaften sollen sich auch im Sognefaering wiederfinden lassen.
Wenngleich das Rahsegel auf Kursen am Wind gegenüber modernen Riggformen benachteiligt ist, soll ein effektives Aufkreuzen (gegen den Wind) möglich sein. Dafür müssen wiederstrebende Eigenschaften wie Wendigkeit und Kursstabilität im Rumpf vereint werden.
Das Rahsegel ist Das ideale Segel für die flachbordigen Ruderboote. Es entwickelt hoch am Wind weniger Seitenkräfte als ein Schratsegel (Spriet-, Gaffel-, oder Bermudasegel), d.h. das Boot wird nicht so leicht gekrängt (auf die Seite geworfen). Auch die Rumpfform soll dem entgegen wirken und eine gute Quer- und auch Längsstabilität haben. Das Boot soll sein Segel "tragen" können.
Auf raumen Kursen (mit Winden von achtern) entwickelt das Rahsegelboot seine Stärke. Es fliegt vor dem Wind. Dabei muss es kursstabil und sicher zu steuern sein.
Gleich auf welchem Kurs, das Boot soll "trocken" segeln, d.h. Gischt und Seen werden außen gehalten - eine heute scheinbar vergessene Eigenschaft. Auf modernen Jollen und Booten hat man selbst bei schönem Wetter kaum eine Chance trocken zu bleiben.

beim Landen:

  • geringer Tiefgang
  • einfache Landung an unbefestigtem Ufer (Strand)
  • geringes Gewicht

beim LandenNicht nur im Notfall muss ein offenes Boot sicher den Strand erreichen und von der Mannschaft auf gezogen werden können.

Offene Klinkerboote liegen grundsätzlich besser an Land als unbeaufsichtigt im Hafen oder vor Anker.

Für längere Zeit ist ein Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung der Beste.

 

 

weitere:

  • Dichtigkeit
  • einfache Handhabung
  • variable Auslegung (als Einhand- oder Mannschaftsboot)
  • Dachtransport auf PKW möglich

Die Dichtheit der Rumpfschale ist natürlich eine der wichtigsten Anforderungen an ein Boot - trotz streng traditioneller Bauweise und generell trockener Lagerung an Land.
Alle Teile - Rigg, Segel, Steuer, Ruder und Zubehör sollen einfach, übersichtlich angeordnet und funktionell sein. Das Fahrzeug soll mit wenigen Änderungen als Einhand- oder Mannschaftsboot gefahren werden können. Die Gesamtkonzeption ist darauf ausgelegt, dass der Transport auf dem Dachgepäckträger eines PKW's möglich werden könnte.

 

E n t s c h e i d u n g (Sognfaering contra Gokstadfaering):

Warum habe ich mich für dieses Boot entschieden?

Der Umfang des Projektes soll 'beweglich' bleiben. Der Bau eines Wikingerbootes erfordert einen hohen Transportaufwand für das Material. Deshalb habe ich mich, obwohl mein Herz für frühmittelalterlichen Bootsbau und Wikingerboote schlägt, für ein jüngeres Boot aus dem Norden entschieden. Das entscheidende Argument ist der Umstand, dass sich Bootsbautechniken und Formensprache im äußersten Norden von der Wikingerzeit bis ins 19. Jhd. kaum verändert haben. Die Verknappung des Bootsbaumaterials erzwang im 18. Jhd. entscheidende Veränderungen.

Steven des Gokstad-FaeringsDurch den Einsatz der Säge wurden aus einem Stammende nicht mehr nur zwei, sondern mehr Planken gewonnen, die allerdings auch nicht mehr die Qualität der gespaltenen erreichten. Die Axt kam nur noch an bestimmten Stellen zur Anwendung.

Aus gehauenen Treppen-Steven wurden gesägte Brett-Steven -
zwar immer noch aus gewachsenem Krummholz -
aber das Erscheinungsbild des Plankeneinlaufs an den Steven verändert sich dadurch deutlich.

Steven des Sogne-Faerings

 

Die konstruktive Denkweise wurde weiterhin tradiert.
Die "Formeln", mit denen man die Proportionen festlegte, blieben erhalten.

Erst der Einzug des Motors in die Bootsrümpfe nahm ihnen den Sinn und verlangte nach gänzlich neuen Größen.

 

 

 

Die nahe Verwandtschaft der Segel- und Ruderboote bleibt unverkennbar.


Spantquerschnitt-SognefaeringSognefaering & GokstadfaeringSpantquerschnitt Gokstadfaering

 

 

Bauplatz

rollende Helling

Wichtigster Teil des Bauplatzes ist die Helling, in die das Boot 'eingespannt' wird, damit sich die Form während des Baus nicht mehr verändern kann. Sie ist auf einen Trailer gesetzt und befestigt, um von Ort zu Ort transportiert werden zu können. Während der Darstellung soll der "fahrbare Untersatz" verborgen bleiben.
Zur Einrichtung gehört auch eine einfache Werkbank, auf der ich alle Arbeiten ausführe.
Für die Einrichtung des Platzes wird ein Areal von 7 x 6 Metern benötigt.
Auf Wohn- und Gesellschaftszelte verzichte ich ganz.

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Arbeitsweise

Das Boot entsteht auf der Helling in Normallage, d.h. so, wie es später im Wasser liegt.
Die Plankenhülle wird frei-tragend aufgebaut, ohne Schablonen, die die Form direkt vorgeben. Beides sind Merkmale frühmittelalterlichen Bootsbaus. Man kann also das Boot in seinem Element "sehen" oder besser - sich vorstellen, wo der Rumpf 'tragen' soll, wie die Planken die Seen teilen und wie das Wasser abströmt. Die Form kann danach unmittelbar verändert werden.
Vor Ort arbeite ich ausschließlich mit Handwerkzeugen. Die gesägten Planken werden zu Hause in der Werkstatt maschinell auf Dicke gehobelt und dann auf dem Bauplatz weiter bearbeitet. gebogen und angepasst.

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Baumaterial

Für verschiedene Bauteile verwende ich verschiedene Holzarten und verschiedene Teile des Baumes.
Der Kiel wird aus einem jungen, geraden Eichenstamm gemacht. Aus Eiche sind auch die Teile des Stevens - hier verwende ich aber krumm gewachsene Ast-Stücke.
Die Beplankung fertige ich am liebsten aus astarmer Lärche. Kiefer eignet sich aber auch gut. Die Entscheidung für das eine oder andere treffe ich bei der Holzsuche selbst.
Passende Stücke für Spanten und Knie suche ich aus den Ästen oder Wurzeln der Kiefer.
Stringerleisten bestehen aus biegsamer und junger Fichte. Aus leichter Fichte sind auch Mast und Rah gefertigt. Auch die Meisten Zubehörteile, wie Duchten (Sitzbretter) und Plichten (Fußbodenbretter), sowie die Ruder bestehen aus diesem preisgünstigem Holz.
Zusammengehalten werden die einzelnen Bauteile von Nägeln und Nieten mit Scheiben. Ich bevorzuge handgeschmiedete Nägel, Niete und Nietscheiben. Meist verwende ich jedoch im Gesenk geschmiedete, verzinkte Nägel und Niete. Je nach dem, was gerade zur Verfügung steht.
Als Dichtmasse zwischen den Planken steckt Schafwolle.
Geschmeert (konserviert) wird das Holz mit Holzteer und rohem Leinöl. Auf der Basis von Leinöl und Pigmenten wird auch die gelbe Farbe des obersten Plankenganges gemischt.

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Baufortschritt

Zu erleben ist, was gerade ansteht. Hier nur die Reihenfolge.
Der Kiel ist das Fundament auf dem alles andere aufbaut. Er wird zuerst aus dem Stamm geholt und auf die Helling gelegt.
An seinen Enden werden die Steven befestigt. Zunächst der untere Teil - das Lott, dann die oberen Stevenenden.
Stehen Kiel und Steven ausgerichtet, kann mit dem Aufplanken begonnen werden. Das Boot bekommt im Ganzen vier Plankengänge. Der erste Gang, die Kielplanke, wird direkt am Kiel befestigt und besteht auf jeder Seite aus drei Teilen. In der Mitte sitzt eine breite, fast gerade Planke. Zu den Enden hin müssen stark gewundene Stücke mit dem Beil geformt und an den unteren Steventeilen befestigt werden.
Auch die anderen drei Plankengänge pro Seite, Schlag, Rem und Ripe, bestehen aus mehreren Stücken. Auch sie müssen mehr oder weniger stark gebogen werden. Die Hülle baut sich in jeder Ebene Planke um Planke von achtern her auf. Alles muss angepasst, verziert und abgedichtet werden.
Sind Kielgang und Schlaggang fest, beginnt der Einbau der unteren Spantenteile, der Bodenwrangen. Sie werden mit dem Beil aus krumm gewachsenen Aststücken herausgeholt und eingepasst. Erst dann geht es mit dem Rem weiter. An seiner Oberkante wird zuletzt die Remleiste zusammen mit dem letzten Plankengang, der Ripe, befestigt.
Zu diesem Zeitpunkt ist die Plankenhülle fertig und es beginnt der stützende Ausbau des Rumpfes mit den restlichen Spantteilen, den Auflangern, Rungen und Bite-Knien.
Jetzt ist die Konstruktion vollendet. Es geht an die Ausstattung. Duchten (Sitzbretter) und Plichten (Fußbodenbretter), der Mastfuß, Ösfass, Halsnägel, Keipen, Skulls (die Ruder), Mast und Rah, Ruderbeschlag und endlich das Steuerruder mit Pinne müssen gefertigt werden. Das Segel ist eine andere Geschichte - vielleicht in der Fortsetzung. Dann endlich ist der Zeitpunkt für den Stapel-Lauf da und das Boot kann von "Auf Rädern" ins Wasser wechseln.

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Werkzeuge

Ich arbeite mit traditionellen Handwerkzeugen. Je nach den Wünschen an die Darstellung kann ich die Formen der Werkzeuge an das Thema der Darstellung anpassen. Im Einzelnen verwende ich zur Holzbearbeitung verschiedene Bohrer, Beile, Beitel, Hobel, einen Holzhammer und ein Messer. Die Nagel und Nietverbindungen fertige ich mit einem Klink-Hammer, einem Auftreiber und mit Meißel oder Zange. Zur Ausstattung gehören auch ein schwerer Hammer, ein Nagelzieher, Pott und Pinsel.

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Vermessen

Ich habe auf jeden Fall einen Zollstock dabei - einen richtigen Zoll - Stock, auf dem die wichtigsten Grundmaße angerissen sind. Die meisten Maße trage ich an meinem Körper mit. Den Bootsbau-Zoll als Länge des letzten Daumengliedes, das Zwischen-DaumenundZeigefinger, den Fingerbreit, den Spann, die Elle und den Klafter. Auch das Auge darf hier nicht vergessen werden.
Die Lage (den Lagewinkel) der Planken messe ich mit dem Föl, einem "Winkelmesser", der auf einem Lot basiert. Das Lot findet überhaupt vielseitige Anwendung an verschiedenen Stellen.

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Genug geredet! Jetzt könnte es eigentlich sofort los gehen.

Kontaktaufnahme

Alle Möglichkeiten mit mir Kontakt aufzunehmen, sind unter meiner Kontakt-Seite zu finden. Gebt euch zu erkennen und teilt mir mit, was euch bewegt. Ich freue mich natürlich über jedes Interesse an meiner Wanderschaft mit Bootsbauplatz.

 

Kai Zausch -    Stævnsmeden på færde

 
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