Rohstoffe und Rezepte für das Lohen von Segeln PDF Drucken E-Mail
Segelmachen

Gerbsäure und Gerbstoffe

Gerbsäure oder Gerbstoffe findet man allenthalben im Pflanzenreich. Sie kann aus Rinde, Blättern, Galläpfeln und gerbstoffhaltigen Pflanzenteilen hergestellt werden.
Viele Pflanzen enthalten Gerbstoffe, die aus vielen verschiedenen Phenolen bestehen, welche sie konkurrenzfähig gegenüber anderen Pflanzen machen. Das sind u.a. Pflanzen, die auf nährstoffhaltigem Boden wachsen.
Gerbstoffe wirken schützend gegenüber dem Angriff von Bakterien, Mikroorganismen und Insekten. Die Stoffe werden u.a. mit dem Regen abgegeben, sickern in den Boden und wirken auf diese Weise wachstumshemmend auf andere Pflanzen.
Die Gerbstoffe bestehen u.a. aus einigen Phenolen, die desinfizierend wirken. Aus unserer Sicht sind die Stoffe wichtige Desinfektionsmittel, z.T. in der Pflanzenmedizin, teils in der Gerberei, wo sie das verrotten von Leder verhindern und es gleichzeitig geschmeidig machen.
Das Gerben von Leder ist eine Behandlung, die die tausende von Jahren alt ist. Bei dem Lohen von Segeln und Gerben von Leder sind es dieselben Inhaltstoffe, für die gerbstoffhaltige Pflanzen genutzt werden. Es gibt unglaublich viele Pflanzen, die Gerbstoffe in variierender Menge und Farbe enthalten.
Eiche, Birke, Fichte, Acacia Catechu – um nur einige zu nennen – sind gerbstoffhaltig und enthalten damit viele Phenolverbindungen. Phenol-Cresol und andere ganz einfache Phenole riechen nach Teer. Man findet sie in Teer und Harzen. Harze wirken als Schutz gegen den Angriff von Insekten und anderen Mikroorganismen. Teer kann man auch als eine Konzentration von Phenolverbindungen betrachten.

Eichenrinde

Die Rinde wird in großen Stücken abgezogen entweder während sie noch auf der Wurzel steht oder wenn sie gefällt wurde. Die Rindenstücke werden getrocknet, indem sie in kleinen Stapeln aufgeschichtet werden. Sie werden mit ein paar dachförmig angebrachten Rindenstücken abgedeckt, um sie gegen Regen zu schützen. Nach der Trocknung durchläuft der gröbere Teil der Rinde - die „Stammrinde“ und die „Zwischenrinde“ - in der Regel eine Reinigung. Mit der Reinigung wird anhaftendes Moos und Laub entfernt. Gleichzeitig entfernt wird ein größerer oder kleinerer Teil der äußeren rotbraun gefärbten Rindenlage – der sogenannten Rauh-Rinde, welche nur wenig oder gar kein Gerbstoff enthält. So gut wie allen Gerbstoff findet man in der weißlichen oder schwach-hellbraunen Lage, „Rindenfleisch“ (Bast). Nach der Reinigung wird die Rinde wenn nötig unter Dach weiter getrocknet. Danach wird sie in kleine Stücke von ca. 15 cm Länge gebrochen. Die Gerbstoffmange in Eichenrinde variiert zwischen 8 – 13 %. Der Anteil von anderen löslichen Stoffen beträgt zwischen 4 – 6 %. Es handelt sich dabei u.a. um Zuckerarten welche bei der Gärung im Gerbbehälter organische Säuren bilden. Diese wirken hemmend.
Der Gerbstoffgehalt ist in der Regel im Bast.

Birkenrinde

In Norwegen ist der Gebrauch von Birkenrinde sehr verbreitet. Faktisch nutzt man nicht sehr viel anderes. Die Gewinnung von Birkenrinde geht im Prinzip auf dieselbe Weise wie bei der Eiche vonstatten. Jon Godal zufolge ist es das Beste, Birkenrinde in der ersten Woche des Monats Juli zu sammeln, weil da sich die Rinde am Besten vom Stamm löst. Man zieht die Fetzen und die Borke direkt vom jungen Birkenbaum, solange er noch auf der Wurzel steht und soweit man den Stamm hinauf reicht. Man ringt den Stamm mit einem Messer regelmäßig in 50 – 80 cm Abstand und zieht einen lotrechten Schnitt zwischen den Ringen. Das Erste was man abzieht ist die Oberrinde, welche aussortiert und unter Druck gestapelt wird. Wenn sie getrocknet ist, kann man sie als Dachbedeckung gebraucht werden. Die Rinde zieht man auf dieselbe Weise ab wie die Oberrinde, aber die ist ein wenig steifer und sitzt fester. Danach fällt man den Baum und nimmt die letzte Ober- und Unterrinde ab. Die Barke stellt man zum Trocknen an eine luftige Stelle mit einem Dach darüber. Wenn die Rinde ganz getrocknet ist, wird sie in 1 – 2 cm Stücke gebrochen und in einen Sack gefüllt. Auf diese Weise kann die Rinde für den späteren Verbrauch aufgehoben werden und sich jahrelang halten.

Acacia Catechu

Acacia ist eine sehr artenreiche Form in der Mimosen-Familie, die sich über die tropische und subtropische Zone in Afrika und Australien ausbreitet. Einige der Acacia-Arten liefern Blüten für die Parfümherstellung. Viele andere Arten der Acacia liefern die am meisten genutzten Gerbstoffe. Catechu wird extrahiert aus der Rinde der Acacia Catechu, die in Vorder- und Hinterindien und auch Cheylon wächst.

Quebracho

Dieses Extrakt wird aus dem Holz des gleichnamigen südamerikanischen Baumes gewonnen. Quebracho gibt es in Pulverform in den Farbtönen Unitone Dark Brown oder Red Brown.
Es ist, wie Eichenlohe und Katechu ein Adstrigent, d.h. ein zusammenziehender Gerbstoff.

Zugaben

Der Lohe wurden meist noch Zugaben beigemengt.

Fette

Zum einen kamen pflanzliche Fette, wie Leinöl und Margarineprodukte zur Anwendung, zum anderen tierische Fette, wie Tran, Fischöl, Rinds- und Schaftstalg, ranzige Butter, Schweine- oder Pferdefett. Das Fett sollte das Segeltuch wasserabweisend machen und dient wohl als Trägerstoff für andere Bastandteile.

Ocker

Ocker ist ein Pigment in diversen Sorten und Farbnuancen – gelber Ocker, roter Ocker (durch Erhitzen werden gelbe in rote Pigmente umgewandelt und dann als gebrannter Ocker bezeichnet), Rotocker-, Haffkrugbraun oder Finkenwerderbraun. Das Pigment ist ein Gemisch aus 5–20 % Brauneisenstein mit Tonmineralen, Quarz und Kalk. Es wurde in unserer Ecke der Welt aus Erde durch langwierige Ausschlämmverfahren gewonnen. Hierbei wird das Pigment in einer Reihe von Klärbecken ausgewaschen und in Windmühlen von Ballaststoffen gereinigt. Dieser Grundstoff wird dann getrocknet. Bei Bedarf wird er durch ein Brennverfahren auf den gewünschten Farbton gebracht.
Neben dem Farbeffekt wird noch eine andere Eigenschaft des Ockers genutzt. Das Pigment ist aus der Nähe betrachtet eine Stapelung von winzigen Plättchen in Schichtpacketen. Es ist in der Lage, wie ein mikroskopischer Schuppenpanzer, Poren im Gewebe zu verschließen. Das Gewebe wird winddicht gemacht.

Holzteer

Holzteer schreibt man auch gewisse Färbeeigenschaften zu. Hauptsächlich ist es wohl in der Lage, das Tuch vor Rott und Schimmel zu schützen.

Soda-Kalk

Sie kommen hinein, um die Säure zu neutralisieren. Proben zeigen, daß die fertige Mischung einen ph-Wert von ca. 6 hat. Der Gebrauch von Soda oder Kalk deutet darauf hin, dass man eine Salzausfällung verhindern will und dass es der Lohe eine wasserfeste Färbung gibt und Rott verhindert.

Rezepturen

In Norwegen unterscheidet man zwischen 2 Arten von Lohen, wovon der eine Sauerlohe und der andere Heiß- oder Kochlohe genannt wird.
Zu Vorzeiten, als man noch mit Wollsegeln fuhr, verwendete man eine Emulsion aus Fetten, Ocker und Teer, die auch hier erwähnt sein soll.

Sauerlohe

Dabei werden gleiche Teile Rindenstücke und Seewasser im Bottich gemischt und für 14 Tage zum Gären stehen gelassen. Man kann ein wenig Soda dazugeben um mehr Gerbstoffe herauszuziehen. Ein wenig Teer kann man ebenfalls in den Bottich geben, aber die Mischung kann nicht soviel vertragen, wie wenn man sie kochen würde.
Das Segel wird in die Gerblohe gelegt und dort für 2 – 8 Tage liegen gelassen. Danach läßt man das Segel trocknen. Das Segel wird dabei gewendet, um die Farbe auf beiden Seiten gleichmäßig hervortreten zu lassen. Es sollte nicht in der direkten Sonne getrocknet werden.
Bei neuen Segeln und neuem Tauwerk nutzt man immer die Sauerloh-Methode. Sie gibt die feinste Farbe, die sich erst nach einigen Tagen zeigt, und ist nicht so strapazierend zum Segeltuch wie die Heiß- oder Kochlohe.
Die Sauerlohe kann den ganzen Sommer lang stehen bleiben. Man kann Segel und Tauwerk nach Bedarf hineinlegen. (Ich glaube, es sollte nach und nach mehr Rinde hineingetan werden, ansonsten ist nach einer Zeit nicht mehr genug Wirkstoff vorhanden.)
In der Folge muss das Segel im nächsten Frühjahr noch einmal geloht werden, danach jedes 2. - 4. Jahr, wenn es ständig in Gebrauch ist. Außerdem muß man tägliche Aufmerksamkeit auf das Segel verwenden, damit es gelüftet und trocken gehalten wird.

Heiß- oder Kochlohe

Norwegische Rezeptur:

50 Liter getrocknete und zerkleinerte Birkenrinde

50 – 60 Liter Seewasser

Seewasser nach Bedarf während des Kochens

½ kg Soda

3 Hand voll Kalk

¼ Liter warmen meilergebrannten Teer

1 großer Bottich zum Aufwärmen

Die Birkenrinde wird mit Seewasser in einen großen Bottich gefüllt (150 – 200 Liter fassend). Die Mischung steht für 8 Tage. Dann wird unter dem Bottich Feuer gemacht und Seewasser zugesetzt (während des Kochens). Wenn die Mischung kocht und schäumt, werden ½ kg Soda hinzugegeben und 3 Hände voll Kalk. Alles wird weiterhin am Kochen gehalten und ständig nach Bedarf Seewasser hinzugegeben. Wenn die Mischung eine dickflüssige und grützenartige Konsistenz hat, wird ¼ warmer, meilergebrannter Holzteer hinzugegeben. Die Mischung darf nicht kochen, wenn der Holzteer dazugegeben wird, da er ansonsten klumpt.

Emulsion für Wollsegel

Das Wollsegel wurde mit einer fettigen Substanz, die zum Beispiel aus einer Mischung von Haarfett von Pferden und Ocker zusammen mit Talg von Schafen oder Rindern bestehen konnte, imprägniert, um das Gewebe winddicht und wasserabweisend zu machen. Gegen Rott und Schimmel gab man noch einen kleinen Anteil Holzteer bei.


Im Norden Deutschlands kann man verschiedene Methoden zur Herstellung der Lohe nicht ausmachen.
Es existieren aber eine Vielzahl überlieferter Rezepturen, die zum Teil regionalen Traditionen oder der Auswahl, der am Ort vorhandenen Beigaben geschuldet ist.
Alle Mischungen scheinen aber in der Art der Heiß- oder Kochlohe hergestellt worden zu sein. Man nutzte große Metallgefäße (Kessel oder Fässer) in privater oder gemeinschaftlicher Nutzung, in denen die Lohbrühe zum Kochen gebracht wurde.
Die Mischungen bestanden im Grunde aus der Lohe, die aus den oben genannten Pflanzenbestandteilen in heißem Wasser (See-, Brack-, oder Regenwasser) extrahiert und mit verschiedenen tierischen und pflanzlichen Fetten, wie z.B. Tran, Fisch- und Leinöl, Rinds- und Schaftstalg, ranzige Butter oder Pferdefett vermengt wurde. Auch Ocker fand Verwendung – nach Aussage der Recherche führenden Personen - allerdings nur zur Farbgebung. Teer war ein oft verwendeter Bestandteil, der gegen Rott und Schimmel helfen sollte.

Rezeptur aus Pruchten

"Wir nahmen braunen Ocker mit Schweinefett und Maschinenöl. Nur einen kleinen Schuß Teer. Die Segel waren doch schon dunkelbraun. Das wurde im großen Bottich ordentlich aufgerührt, mit heißem Wasser. Da, wo sonst die Aale drin sortiert wurden.“ - Hermann Grählert, Zeesfischer aus Pruchten.

Rezeptur aus Althagen

Etwa 50 Liter Boddenwasser in einem halben Ölfass erhitzten. Als Farb- und Gerbstoff Catechu in Würfelform zuggeben. Etwa 20 Päckchen Margarine oder Rindertalg und, damit die Segel nicht so stark abfärbten, noch einen Schuß giftige Blausäure. - von Hans Dade Zeesenfischer aus Althagen

Rezeptur von Altenwerder

Frischmilch und Rübenöl zu gleichen Teilen unter Zugaben von Holzteer, Leinöl, Farbe kalt (!) verrührten. - von Joachim Kaiser aufgezeichnet

Rezeptur vom Holm/Schleswig

Mit Katechu, ohne jegliche Beigaben, lohten auch die Holmer Fischer die aus Baumwolle gemachten Sprietsegel ihrer Schleikähne – erfragt von Hermann Ostermann.

Rezepturen mit noch vorhandenen Mitteln

Quebracho ergibt aufgelöst in heißem Wasser im Verhältnis ½ kg pro 10 Liter Wasser eine gute Färbung. Für einen dunkleren rotbraunen Farbton sollte aber nicht viel mehr als 1 kg Extrakt pro 10 Liter Wasser genommen werden. Man verwende tunlichst Meer- oder Regenwasser! Noch dunkler wird das Tuch, durch Zugabe von etwas Holzteer, der vorgewärmt am besten in die 60 bis 70 °C heiße Brühe gerührt werden sollte.

 

Mischungen aus Ocker, Leinöl und Holzteer lassen sich ohne weiteres auf Segeltuch aus Naturfaser anwenden. Die Zutaten bekommt man in Öko-Farbläden.
– zusammengetragen von Hermann Ostermann.

...

Zur Verfahrensweise beim Lohen der Segel, bitte blättern >>>

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 12. April 2011 um 09:34 Uhr
 
Joomla templates by a4joomla